Human Centric Lighting in der Industrie

Beleuchtungsinstallationen mit hoher Beleuchtungsstärke und „tuneable white“ können einen positiven Effekt auf den Produktionsausstoß haben und Ermüdung, Fehler und Unfälle reduzieren.

Diese Effekte sind noch größer – oder zumindest einfacher nachweisbar – bei sich wiederholenden Arbeitsaufgaben. Eine höhere Beleuchtungsstärke in Kombination mit dem richtigen Lichtfarbspektrum und einer sorgfältigen Zeitplanung bei den verschiedenen Lichteinstellungen können zu einer höheren Wachheit und Aufmerksamkeit bei Industriearbeitern führen. Das Resultat ist eine geringere Ermüdung, was wiederum die Gefahr von Fehlern senkt. Bei Schichtarbeitern kann das Licht verwendet werden, um die Phasen des Tagesrhythmus zu verschieben und sich einfacher an die Nachtarbeiter anzupassen.

Für die Tagesschicht in einer Produktionsumgebung sollte am Morgen für ein bis zwei Stunden ein Energielicht eingeschaltet werden, das ein bis zwei Stunden nach Beginn der Schicht beginnt, damit auch die Nachteulen die richtige Position auf ihrer Leistungskurve erreichen. Das kaltweiße Licht wechselt mit Fortschreiten des Tagesrhythmus. Eine zu frühe Einwirkung kann zu einer Phasenverzögerung führen.


hcl_graph_day-shift-settingsEinstellungen bei einer Tagesschicht. Das kaltweiße Licht wird um 9 Uhr, zwei Stunden nach Schichtbeginn, eingeschaltet. Eine Dusche aus kaltweißem Licht mildert den Einbruch der körperlichen Leistung nach der Mittagspause. Zylindrische Beleuchtungsstärke Ez auf 1,20 m rechts, Farbtemperatur links.



Die Nachtschicht erfordert eine sorgfältige Planung, damit der gewünschte Effekt eintritt. Falls es nur wenige Nachtschichten (zwei bis drei) nacheinander gibt, möchte der Arbeiter seine Schlafmuster nicht ändern, sondern den Tageszyklus beibehalten. Daher müssen in der Nacht Lichtquellen mit einem geringen aktivierenden zirkadianen Effekt verwendet werden. Um die Wachheit zu erhöhen und die Gefahr von Fehlern am Ende der Nachtschicht zu verringern, empfehlen wir den Einsatz eines kaltweißen Lichts in den letzten Stunden der Nachtschicht. Dies kann mit individuell gesteuerten „Duschen“ aus einem kaltweißen Licht zu jeder Stunde in der zweiten Hälfte der Schicht kombiniert werden.


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Lichtzyklus für Nachtschichten ohne Phasenverschiebung. Das neutralweiße Licht bleibt bis zu den letzten beiden Stunden bestehen, wenn ein kaltweißes Energielicht die Wachheit und Konzentrationsfähigkeit der Arbeiter aktiviert. 


Wenn der Nachtschichtzyklus über mehr als drei bis vier Nächte nacheinander andauert, ist eine vorübergehende Verschiebung des zirkadianen Rhythmus erwünscht. Dies bedeutet eine Phasenverzögerung um ca. acht Stunden, damit der Arbeiter in der Nacht wach ist und direkt nach der Nachtschicht schlafen kann. Er wacht am Nachmittag wieder auf.

Es dauert mindestens vier bis fünf Tage, um die zirkadianen Zyklen entsprechend zu verschieben1. In diesem Fall empfehlen wir Lichtquellen mit einem hohen aktivierenden zirkadianen Effekt in einer frühen Phase der Nachtschicht, wobei die Einwirkungszeit bei jeder Schicht nach hinten verschoben wird, bis die Arbeiter ihren Tagesrhythmus ausreichend verändert haben.


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Lichteinstellung für die Nachtschicht, Tag 1. Ein kaltweißes Licht in den ersten drei bis vier Stunden der Schicht verschiebt den Tageszyklus nach hinten. In der Schicht an Tag 2 wird das Energielicht eine Stunde später um 20.00 Uhr eingeschaltet und dauert bis Mitternacht. Dies geht so weiter, bis die zirkadiane Verschiebung um acht Stunden nach hinten abgeschlossen ist.



1 M. Gibbsa,b, S. Hamptona, L. Morganb, J. Arendta, 2002.  Adaptation of the circadian rhythm of 6-sulphatoxymelatonin to a shift schedule of seven nights followed by seven days in offshore oil installation workers.