Gesünder mit dem richtigen Licht?

Kann die intelligente Nutzung von Licht die Gesundheit der Menschen verbessern? Im Vestfold-Krankenhaus in Tønsberg, Norwegen, wird Licht nun gezielt zur Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt.

Wir fühlen uns vom Licht angezogen. Von der Sonne, der Wärme und hellen Tagen. Wissenschaftler haben lange über die Bedeutung von Vitamin D in unserem Immunsystem gesprochen, und viele von uns machen sich Sorgen über den Winter, schütteln den Kopf und reden über Dunkelheit und Winterdepression. Aber kann man Licht nach Plan einsetzen? Kann es in richtiger und ausreichender Dosierung helfen, uns mental zu stärken?
„Dieses Thema ist äußerst spannend. Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber die Forschung deutet eindeutig darauf hin, dass ein guter Zugang zu Tageslicht spürbare und positive Auswirkungen auf die Psyche hat“, sagt Kari Hornmoen, Lichtdesignerin bei Multiconsult. Sie ist begeistert von der Forschung in Dänemark, wo die Behandlungsdauer von Patienten mit Depressionen deutlich verkürzt werden konnte, wenn ihnen Räume mit viel Tageslicht zur Verfügung standen. Diejenigen, die Zimmer mit Südostausrichtung hatten, profitierten von einer bis zu 30 Tage kürzeren Aufenthaltsdauer als diejenigen, deren Zimmer nach Norden ausgerichtet waren.

Positives Krankenhausmanagement

Als vor einigen Jahren mit der Planung einer neuen psychiatrischen Abteilung des Vestfold-Krankenhauses begonnen wurde, wurde dieses Wissen der Klinikleitung zur Verfügung gestellt, die ihr Interesse bekundete und erwiderte, dass dieses Wissen zu wichtig sei, um außer Acht gelassen zu werden. Die Lösung bestand nicht darin, alle Räume nach Süden auszurichten, sondern darin, in einer Abteilung Leuchten zu installieren, die reichlich Licht mit unterschiedlichen Farbtemperaturen liefern – ein Licht, das das Tageslicht kompensiert. Das neue Gebäude wurde im September 2019 eingeweiht, mit Glamox als Hauptlieferant.
„Wir haben sowohl natürliches Licht als auch eine ergänzende künstliche Beleuchtung bereitgestellt. Große Fenster, auf deren Fensterbank man sitzen kann, lassen das Tageslicht herein. Außerdem ahmen wir das Tageslicht nach, bringen es in das Gebäude und simulieren, was im Freien passiert. Wir unterstützen damit den natürlichen Tagesrhythmus“, sagt Kari Hornmoen.

Human Centric Lighting

Um dies zu erreichen, wird HCL – das Human Centric Lighting System – eingesetzt. HCL ist so programmiert, dass es tagsüber Licht mit einer hohen Farbtemperatur (kühles Licht mit blauen Wellenlängen) und nachts eine gedämpfte niedrige Farbtemperatur („warmes“ Licht mit weniger blauen Wellenlängen) liefert. Das gedämpfte warme Licht sorgt dafür, dass der Körper bereit für den Abend ist und regt die Produktion des Schlafhormons Melatonin an, während das kühle Licht Wachsamkeit und Aktivität stimuliert. Die Leuchten werden automatisch und stufenlos gesteuert“, erklärt Anders Bru, Concept Manager für HCL bei Glamox.
Die Intensität und Farbtemperatur des Lichts variiert somit im Laufe des Tages. Vielfältigkeit ist zudem ein Schlüsselwort für die verschiedenen Bereiche der Räumlichkeiten: Flure benötigen zusätzliches Licht, während Sitzecken ein geringeres Maß an Licht und mehr warmes Licht erhalten.
„Wir haben Zonen geschaffen, um ein Gefühl der Behaglichkeit zu vermitteln. Neben warmem Licht wurden Wände und Decken in warmen Farben gestrichen, was den Klinik-Charakter mindert“, erklärt Kari Hornmoen.

Wichtige Außenbereiche

Auch im Außenbereich ist der Lichteinsatz sorgfältig geplant. Drei Außenbereiche, auch „Sinnesgärten“ genannt, stehen den Patienten zur Verfügung. Um Verletzungen von Patienten zu vermeiden, sind sie eingezäunt und gut gesichert. Gleichzeitig wurde viel getan, um dieses Gefühl der Abschottung zu minimieren.
„Wir haben in enger Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten das geschaffen, was wir „einen Außenraum im Innenraum“ nennen. Mit Begrünung und Licht haben wir eine einladende Umgebung für die sonst toten Oberflächen geschaffen. Und da ist es natürlich toll zu hören, wie ein Besucher diese Außenräume als ‚den Himmel auf Erden‘ bezeichnet,“ sagt Lichtdesigner Hornmoen.

Integration

Um zu verhindern, dass sich der Patient verletzt oder die Ausstattung beschädigt, wurden alle Leuchten in Decken oder Wände eingebaut. An vielen Stellen werden so genannte „Wandfluter“ eingesetzt, d. h. Licht, das über eine Wand reflektiert wird. Dieses Verfahren sorgt für ein vergrößertes Raumgefühl.
Da psychiatrische Patienten oft längere Zeit in einer Einrichtung bleiben, ist es von besonderer Bedeutung, dass die physische Umgebung zu einem guten Behandlungsklima beiträgt. Anders Bru von Glamox ist der Meinung, dass Licht heute ein geschätzterer Faktor ist als früher:
„Wir beobachten eine Zunahme des Verständnisses der Bedeutung von Licht, d. h. der nicht-visuellen Effekte von Licht“, sagt Bru. Lichtdesignerin Kari Hornmoen stimmt zu:
„Es besteht ein ungeheurer Wunsch nach Wissen und Forschung auf diesem Gebiet. Die zunehmende Aufmerksamkeit ist spannend, sowohl für Patienten als auch für Menschen im Allgemeinen. Und natürlich äußerst spannend für uns Lichtdesigner!“